* szenerien
     
 
  Feston *
[61] Kollektivschmuck
[62] Mem
[63] Zugriff
[64] Vitrine
[65] Vergessen
[66] Erinnern
[67] Bewahren
[68] Ergänzen
[69] Kontrolle

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  Selbstgestrickte Wirtschafterei
Nachdem der Architekt Adolf Loos 1908 in seiner Streitschrift Ornament und Verbrechen der Redundanz der Schmuck- elemente jede Funktionalität abgesprochen hat, taucht das Feston seit einigen Jahren ungefragt in neuen Formen wieder auf: anonym beispielsweise seitens einer gewissen Strick-Guerilla gratis installiert, nicht nur in schmückender Absicht, sondern auch, um die Redundanz politischer Forderungen schmuckhaft zu inszenieren und damit den politischen Druck wenn nicht zu erhöhen so doch zumindest als psychologisch unverzichtbares Beiwerk der Lebensführung zu erhalten.

Geht es hier nur darum, scheinbar postpostmerkantil durch "intelligente" Verbindungslinien zwischen den gesell- schaftlichen Sachverhalten die Redundanz (im Sinne einer vergleichenden Wissenschaft) zur vollen Entfaltung zu bringen, ist alles "Gespräch", und die Zeit sich dafür zu nehmen, alle Verknüpfungen als "gewußt" für ein unbe- kanntes Gegenüber zu reproduzieren, wird, wo keine Zeit zum Erzählen bleibt, kontraproduktiv, da die gebotene Eile der Handlungsfindung beschneidend, obgleich eben dafür möglichst viele Assoziationslinien von allen an einer will- kürlich projizierten Unterhaltung potentiell Teilnehmenden gewußt werden müssten. Entscheidend also, einzelne Verbindungslinien wie Goldadern zu claimen und im persönlichen rhetorischen Grabungsfeld produktiv zu machen, meint nun doch wieder: merkantil, meint bastelnd, schreibend, malend, fotografierend im Strom der unkomplizierten Zugriffswirtschafterei "ins Gespräch" zu kommen, beständiges Karaokiering und damit – so setzte ich ins Verhältnis – auch einem beispielhaft ungebrochenen Blütenaufkommen AXLs, wie ich in Abkürzung die Distanz zwischen mir und der Pflanze "Aphrodite XL" zu verkürzen beschlossen habe, zu entsprechen: Erfüllung durch Füllung. [ Seite 5 ]

 

Feston bezeichnet ein dekoratives Element in nahezu allen Gattungen menschlichen Schaffens, von der Kleidung bis zur Architektur, das erstmals in der hellenischen Baukunst seit dem 4. Jhd. v. Chr. zu finden ist. Wie ein Netz, das zugleich teilt und verbindet, wirkt diese Schmuckform in ihrer Redundanz der Abscheu vor der Leere (horror vacui) entgegen.

Herkunft: Entlehnung über das Französische feston → fr "Girlande, Blumengehänge" aus dem gleichbedeutenden Italienisch festone → it, das eigentlich "Festschmuck" bedeutet und dem Wort festa → it "Fest" zugehörig ist.