* szenerien
     
 
  Feston *
[61] Kollektivschmuck
[62] Mem
[63] Zugriff
[64] Vitrine
[65] Vergessen
[66] Erinnern
[67] Bewahren
[68] Ergänzen
[69] Kontrolle

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  In den Fängen der Zweckfreiheit
Auf "DuRöhrst" – eine passendere Übersetzung für den dominierenden Videokanal ist mir bislang nicht zugeflogen – finde ich massenhaft Filmchen, die sich der Pflege der Phalaenopsis philippinensis widmen und bei gemeinsamer Betrachtung einiger in kyrillischer Schrift untertitelten Anweisungen entspinnt sich eine lebhafte Diskussion, ob eine gewisse Olga Zaytseva in kleingemusterter Schwarz-Weiß-Bluse vor unibeiger Strukturtapete hier nur die Liebe zur Gattung auslebt oder ein Kunstprojekt in Anlehnung an das Stilmittel "Un-Boxing" lanciert hat, was mir angesichts ihres monalisischen Lächelns und des ausgeklügelten Versuchsaufbaus inklusive entschleunigenden Vortrags auch der kleinesten Kleinigkeit wahrscheinlicher vorkommt, von meiner Kobetrachterin auf der Bettkante mit Wettangeboten widersprochen. Da derartige Meme nun keine Besonderheit mehr sind und auch deren analytische Ausbreitung wenig Befriedigung stellt, bleibt mir die Orchideenrankerei in generalisierter Betrachtung als Feston einzig interessanter Angriffspunkt, die Stadt von gestern und heute ins Verhältnis zu setzen, was sich besonders anhand der Wandlungen des je in ihrer Zeit als schmuckhaft Etablierten durchstreifen läßt, Spaziergängerei mit ausgesucht breit aufgestellter Möglichkeitsbrille im Duktus eines Geschäftsmodells nur eben für's private Kombinieren, denn wie man sicherlich recht vermutet, liegt der Ertrag nicht im sinnhaften Herstellen, sondern in der Herstellung von zweckfrei organisierten Strukturen, die das Sinnhafte nicht unbedingt versprechen, zumindest aber erregungsrelevant in schöne Aussichten ranken lassen. [ Seite 4 ]
 

Im Dokumantarspiel "Europas letzter Sommer" liefert das Feston (hier als Wandbezug) die zeit- geschichtliche Anmutung ... und die Diplomatie vor überschmücktem Flechtwerk kann durchaus metaphorisch für die verfahrene Politik im Jahre 1914 gesehen werden, als bi- und multilaterale Verträge nicht etwa den Krieg verhindert, sondern ihn zur Zerschlagung des heillos Verknoteten erst "notwendig" gemacht haben.